Die “Du-verwöhnst-Dein-Baby-Theorie”

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du verwöhnst dein baby

Die „Du verwöhnst Dein Baby-Theorie“

Warum haben Großeltern und Urgroßeltern eigentlich ständig Angst, das Baby würde zu sehr verwöhnt? Meistens kommt diese Kritik aus der älteren Generation: „Du verwöhnst Dein Baby, wenn es die ganze Zeit herumgetragen wird. Oder wenn bei jedem Mucks sofort reagiert wird und Du angerannt kommst“. Dass das gerade junge und frischgebackene Eltern ziemlich verunsichern kann, ist einleuchtend. Aber woher kommt eigentlich diese ständige Sorge darum, dass Ihr Euer Kind verwöhnt?

Unsere (Ur-) Großeltern waren in einer ganz anderen Zeit Eltern. Woher das kommt, ist eigentlich naheliegend. Denn als unsere Großeltern Eltern wurden, war es einfach eine ganz andere Zeit. Die oberste Priorität bestand darin, kerngesunde und leistungsfähige, starke Kinder großzuziehen. Und nicht etwa irgendwelche Schlappschwänze oder Weicheier zu bemuttern! Im Dritten Reich sahen die Erziehungsideale nun einmal ganz anders aus. Kinder mussten abgehärtet und auf das spätere Leben vorbereitet werden. Wer zu viele Gefühle zeigte (so die weitläufige Meinung) war verweichlicht und verzärtelte das Kind. Sowohl Jungs als auch Mädchen hatten keinen Grund zu weinen, sie durften keine Angst haben, sondern mussten stark sein. Und last but not least führte dies bekanntermaßen so weit, dass man sich selbst aufgab – als Opfer für das Volk. Genau deswegen wurden Kinder bereits nach ihrer Geburt „erzogen“.

Erziehungsbücher aus der damaligen Zeit

Nachlesen kann man das problemlos in diversen Erziehungsratgebern, die damals gebräuchlich waren. Diese Praxis wurde leider, so kann man heute nur noch sagen, teilweise bis in die 80er Jahre befolgt und umgesetzt. So hieß es zum Beispiel, dass das Kind in den ersten 24 Stunden nach der Geburt möglichst alleine und getrennt von der Mutter in einen separaten Raum gelegt werden muss. Wenn es weinte, sollte es keinesfalls gewiegt, herausgenommen oder gar umher getragen werden. Denn ansonsten, so vermutete man, würde man einen kleinen Tyrannen aus dem Kind machen. Und wer wollte das schon? Stattdessen wurde es in einen separaten Raum geschoben und dieser dann geschlossen. Erst zur nächsten Mahlzeit holte man das Baby wieder heraus. Das gleiche galt in der Nacht. Wenn das Kind schrie, sollten die Eltern sich nicht darum kümmern, schließlich wollte man ja, dass es „so schnell wie möglich durchschläft“. Also war man der Meinung, das Baby wird es schon merken, wenn keiner kommt und sein Geschrei dann auch irgendwann einstellen. Vor allem mussten Babys von Anfang an nachts in einem extra Zimmer-getrennt von ihren Eltern-schlafen. Heutzutage unvorstellbar! Verständlich, dass sich uns heute allein beim Gedanken daran alle Haare sträuben.

Dennoch: unsere Großeltern wussten es einfach nicht besser. Auch sie wollten letztendlich für ihren Nachwuchs nur das Beste. Die äußeren Umstände sorgten einfach dafür, dass es Eltern damals vorrangig wichtig war, ihr Baby müsse „funktionieren“ und bloß nicht mit zu viel Liebe überhäuft werden. Zugleich sorgte die Propaganda dafür, dass Eltern damals genau diese Regeln auch einhielten. Was hätten sie auch sonst machen sollen? Schließlich gab es kein Internet, in dem sie hätten recherchieren können oder andere Medien, die sie zur freien Meinungsbildung hätten nutzen können. Und auch Hebammen sowie Kinderärzte schlugen in genau die gleiche Kerbe. Wenn überhaupt Liebe angesagt war, dann nur, um das Kind in irgendeiner Form zu manipulieren. Was kann man von einer Zeit mit ihrem Zeitgeist anderes erwarten, wie es im dritten Reich der Fall war?

Leider wirkt dieses Wissen zumindest manchmal bis heute nach. Ist doch auch verständlich: Wenn eine Gesellschaft etwas jahrelang eingetrichtert bekommen hat, hält die Allgemeinheit dies unweigerlich für das Richtige. Und dann kann man es einfach nicht verstehen, wenn die nachfolgende Generation plötzlich angeblich bessere Ideen hervorbringt und alles völlig anders machen will.

Zu viel Tamtam ums Kind

Häufig kommen auch die Argumente, wir würden unsere Kinder „verhätscheln“, und die rüdere Umgangsform der vorigen Generation hätten die Kinder schließlich auch überlebt. So falsch könne es also doch wohl gar nicht sein. Außerdem hört man nicht selten von Eltern oder Großeltern, dass die Wissenschaft ohnehin alle paar Jahre wieder neue Erkenntnisse liefere und – wer weiß? – in wenigen Jahren wäre dann vielleicht doch wieder „schreien lassen“ angesagt.

Klar stimmt das Argument, wir hätten doch trotzdem überlebt– aber kann das allein dazu dienen, die ganze Verhaltensweise zu rechtfertigen? Denn laut Statistik haben zur damaligen Zeit deutlich weniger Kinder das Kleinkindalter überlebt, als es heute der Fall ist. Das heißt, dass die Todesrate bei kleinen Kindern stark gesunken ist – und das neben medizinischen Neuerungen auch deswegen, weil man sich heute sehr wohl um viel mehr Dinge Gedanken macht als damals. Außerdem ist das pure Überleben sicherlich kein Argument dafür, dass es sich dabei gleich zwingend um eine „gute Erziehung“ handelt hat. Denn schließlich kann doch niemand wollen, dass sein Kind einen psychischen Schaden davon trägt, nur weil man meint, das Baby/ Kind müsse durch Nichtbeachtung abhärten. Oder?

Natürlich ändert sich die Ansicht der Wissenschaft immer mal wieder. Einmal heißt es, Stillen sei das Gesündeste, dann wieder heißt es, es sei vielleicht doch besser, dem Baby nach wenigen Wochen die Flasche zu geben, weil Muttermilch belastet sein könnte. Aber mal ehrlich: was bleibt auch übrig,  wenn wir aufgeklärte, mitdenkende Menschen sind, uns auf die aktuellen Kenntnisse der Wissenschaft zu verlassen? Sicherlich ist nicht alles von dem, was die Wissenschaft so feststellt, unzweifelhaft das Richtige. Dennoch kann man davon ausgehen, dass heutige wissenschaftliche Ergebnisse in der Regel fundiert sind. Ein eigener reflektierter Vergleich scheint stets am gesündesten.

Was sagt uns unser Gefühl?

Außerdem ist es zweifelsfrei manchmal einfach angebracht, sich auf das innere Gefühl zu verlassen. Und was sagt uns das? Richtig. Die Natur hat es uns sinnvollerweise so mitgegeben, dass Mütter instinktiv darauf reagieren, wenn ihr Säugling schreit. Warum das so ist, muss man wohl nicht näher erklären. Unser Beschützerinstinkt sagt uns: das Baby braucht unsere Hilfe, also müssen wir uns umgehend darum kümmern.

Das Fazit daraus kann also nur sein: lasst Euer Kind nicht schreien – schon gar nicht, wenn Euch das eigene Gefühl sagt, dass es genau das Richtige ist, wenn Ihr nach ihm schaut.

Alles Gute, Eure swing2sleep Familie

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